Bundesliga Finale 2010

Judo Union Flachgau holt sich den

6. Meistertitel in Folge

Bronze für Judo Union Pinzgau

Ein Judofest in Niederwaldkirchen

07.11.2010
Fotos: Fidler / Netzer

"... so sehen Sieger aus, schalalalala... "
... der Schlachtgesang der Judo Union Flachgau tönt nur wenige Stunden nach dem Finale der Judo Bundesliga 2010 noch
in allen Ohren.


Foto: Chr. Fidler

 

Bereits zum 6. Mal in Folge holt dich das Team der Judo Union Flachgau den Titel in der 1. Judo Bundesliga.

In einem packenden Finale gestern Abend setzte sich die Mannschaft rund um Trainer Gerhard Dorfinger letztendlich klar mit 8:4 gegen den Gastgeber UJZ Mühlviertel durch.

Eine Visitenkarte für den Judosport und den
Veranstalter UJZ Mühlviertel

Allen Zweifeln und Bedenken im Vorfeld zum Trotz - das UJZ Mühlviertel bot den Teilnehmern und Zuschauern eine Veranstaltung der Sonderklasse.

"Ein Judofest und Visitenkarte für den Judosport", da waren sich alle einig.
In einem aufwenig gestalteten "Hexenkessel" und weitläufigen Restaurants mit Live-Übertragungen auf Großbildleinwänden bewältigte das Organisationsteam rund um Franz Haugeneder und Christian Fidler alle Anforderungen mit Bravour und übertraf dabei noch alle Erwartungen.


Der Mühlviertler Hexenkessel

Ob mit oder ohne Leinwand - alle Augen bleiben an diesem Tag auf einen Platz fokussiert. Die Mattenfläche war unmittelbar von 2 Tribünen eingegrenzt, die die Zuschauer so nahe an das Geschehen brachten, dass diese fast mitkämpfen konnten.

Ein Hexenkessel, den die rund 700 Zuschauer mit einer Stimmung füllten, die Sportler, Kampfrichter und Betreuern alles abverlangte und selbst WM-erfahrenen routinierten Sportler wie Max Schirnhofer ein Schaudern über den Rücken laufen ließ.

 

Die Kampfrichter

Nicht nur die 4 Finalisten, auch die Österreichischen Kampfrichter boten die besten ihres Faches, um das Finale in einer top Qualität zu leiten. Unter der Führung von Kampfrichterchef Gerhard Jungwirth standen nur die stärksten interternationalen Kampfrichterinnen und Kampfrichter auf der Matte.

Ein Highlight für sich war die Mitarbeit von Vasily Smolin (RUS). Smolin, international höchst anerkanntes Mitglied der europäischen Kampfrichterkommission, unterstützte Gerhard Jungwirth und sein "Team der Unparteiischen" als "4. Mann" am Video-Care-System.

 

Die Vorrunden

Spannung, eine volle Halle und eine sensationelle Stimmung bereits um 14.30 Uhr.

Titelverteidiger Judo Union Flachgau ließ nichts anbrennen. Mit einem 10:3 Erfolg über die Mannschaft von Sandokan Galaxy Tigers (4:2 Halbzeitstand) zogen sie ungefährdet ins Finale ein.
Viel Anerkennung und großen Respekt ernteten Trainer Thomas Haasmann und seine Burschen beim gestrigen Finale, die als ungeschlagene Tabellenführer aus dem Grunddurchgang ins Finale eingezogen waren.

 

"Wir haben uns viel vorgenommen und uns die Mühlviertler auch zugetraut"

Im zweiten Halbfinale traf die Judo Union Pinzgau auf Gastgeber UJZ Mühlviertel. Durch das Fehlen von Andreas Mitterfellner und den verletzungsbedingten Ausfall von Robert Kopiske ersatzgeschwächt, konnten die Pinzgauer Mattenfüchse den 2:4 Rückstand der ersten Runde trotz heftiger Gegenwehr im 2. Durchgang nicht mehr wett machen und mussten sich schließlich mit 5:8 geschlagen geben.


Foto: Chr. Fidler

 

Dabei bot das "Bronzeteam" sehenswerte Leistungen und scheute auch keine Mühen. So wurde mit Europameister Marcus Nymann (SWE) ein neuer Legionär verpflichtet, der sich ansatzlos in die "Truppe in gelb" eingliederte.
"Ein super Bursche", freute sich auch Rupert Rieß, "Marcus fühlte sich auf Anhieb wohl und wird sicherlich zu einer längerfristigen Verstärkung für unsere Mannschaft werden".

Wehrmutstropfen der Begegnung war die Verletzung von Christoph Mayer im ersten Durchgang. Bei einem Schulterwurf des Georgiers Zviad Gogotchuri verletzte sich der junge Pinzgauer und musste mit einer schweren Schulterverletzung ärztlich behandelt werden.


Foto: Judo Union Pinzgau

 

Bronze für die Mannschaft der Judo Union Pinzgau

Mit Bronze und einem sehenswerten Vorrundenduell gegen das UJZ Mühlviertel gewann das Team von Trainer Rupert Rieß sen. Bronze und setzte damit einen Schlusspunkt unter eine erfolgreiche Ligasaison.

"Wir haben uns für dieses Finale in diesem Jahr sehr viel vorgenommen und uns die Mühlviertler auch zugetraut", zieht Rupert Rieß nach der Veranstaltung Bilanz, "letztendlich hat uns das notwendige Kampfglück gefehlt. Dazu kommt die schwere Verletzung von Christoph Mayer, die in der Mannschaft deutliche Spuren hinterlassen hat."

 

Das Finale

Einmal mehr lautete das Finalduell Gastgeber UJZ Mühlviertel gegen Titelverteidiger Judo Union Flachgau. Und einmal mehr boten beide Teams sportliche Leistungen und Spannung, die kaum zu überbieten sind.

Ludwig Paischer holte gegen den extra eingeflogenen Uzbeken Gabit Esimbetov zwei Punkte, einem Legionär, von dem sich die UJZ-Verantwortlichen mehr erwartet hätten.
"Wir haben uns verpokert", so UJZ-Trainer Pepi Reiter nach dem Finale, "wir wollten mit Gabit Esimbetov und Zviadi Gogochuri gegen Ludwig Paischer und Max Schirnhofer punkten", eine taktische Variante, die dem Serienmeister an diesem Tag nicht aufging.


Foto: Chr. Fidler

 

In der Klasse -66kg musste Tomasz Kowalski für die Flachgauer einen Punkt gegen Georg Reiter abgeben. Im 2. Durchgang ging die enorm spannende und enge Partie unentscheiden aus.

1:1 trennten sich Tomasz Adamiec und Peter Scharinger in der Klasse -73kg. Nachdem Adamiec im ersten Durchgang mit Wazzari gewonnen hatte, wurde er im 2. Durchgang nur 8 Sekunden vor Kampfende wegen einem unerlaubten Griff ans Bein disqualifiziert.

 

Kampfentscheidend, sofern es so etwas in einem Mannschaftsduell gibt, war die Klasse -81kg. Im 1. Durchgang führte Hannes Wartbichler bereits mit Yuko gegen Albert Fercher, dieser glich allerdings aus und landete mit einem sehenswerten Wurf letztendlich einen Ipponsieg für Mühlviertel.
Im 2. Durchgang traf Fercher auf Felix Schirnhofer. "Ich habe gewusst, es ist eine 50 : 50 Chance - ich spring ihn einfach an", meinte Schirnhofer nach dem Kampf, der nur wenige Sekunden dauerte. Mit einem sensationellen Ko-soto-gari katapultierte Felix Schirnhofer seinen Gegner auf die Matte und brachte die Falchgauer mit 6:4 in Führung.


Foto: Chr. Fidler

 

In der Klasse -90kg musste sich Christoph Kronberger im 1. Durchgang dem georgischen Import des Gastgebers Zviad Gogotchuri geschlagen geben. Im 2. Durchgang holte Kronberger gegen Peter Pfistermüller mit Uchi-mata den entscheidenen Punkt und Sieg für die Flachgauer.

Entgegen den Spekulationen von UJZ-Trainer Pepi Reiter zog Gerhard Dorfinger den EM-Fünften und WM-Siebten Max Schirnhofer in die Klasse -100kg hinauf. Dort gewann er im ersten Durchgang mit Ippon gegen Rene Schaubmayr, musste sich im Rückkampf jedoch ein Unentschieden abringen lassen. Nach dem Sieg von Christoph Kronberger zuvor war dies allerdings nur noch ein kosmetischer Fehler.

Im Schwergewicht erwies sich Stefan Kronberger einmal mehr als Bank.
Im 1. Durchgang setzte er sich souverän gegen Daniel Allerstorfer durch und traf in Runde 2 auf Zviad Gogotchuri (GEO). Unheimlich geschickt und clever bot Kronberger dem Weltklassemann Paroli, ehe eine spektakuläre Situation den Kampf entschied.
Gogotchuri griff mit einem blitzschnell eingedrehten aber überdrehten Hüftwurf an, landete selber am Rücken während sich Stefan Kronberger akrobatisch über dem Georgier drehte und auf ihm zu liegen kam. Eine Aktion, bei der alle den Atem anhielten, so spektakulär, schnell und unorthodox war sie. Die Auflösung kam von Vasily Smilon und der Kampfrichterkommission. Nach eingehendem Videostudium wurde Gogotchuri wegen "Nackenrolle - Eintauchen in die Matte" disqualifiziert und Stefan Kronberger zum Sieger erklärt.

Stefan Kronberger stellte damit auf 8:4 für den alten und neuen Meister Judo Union Flachgau.

 

Was einen Tag nach der Finalveranstaltung bleibt, sind eine Vielzahl unglaublicher Eindrücke von einer Veranstaltung, über die noch viele Jahre gesprochen werden wird.

Von einem Bundesliga Finale, bei dem sich die Ligakommission des ÖJV mit Martin Poiger, Hans-Peter Zopf, Gerhard Jungwirth und Andreas Weinzierl etwas getraut hat, riskiert und voll gewonnen hat.

Eindrücke von "sehr hochwertigem und schönem Judo", wie dies Vasily Smolin in einer Wettkampfpause beschrieb, Eindrücke von einer bis ins kleinste Detail durchdachten und "durchgestylten" Veranstaltung, die für künftige Ausrichter einen klaren Maßstab vorgibt.

 

1. Judo Bundesliga 2010

1. Judo Union Flachgau I / S
2. UJZ Mühlviertel I / OÖ
3. Judo Union Pinzgau / S
und
Sandokan Galaxy Tigers / W

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